respekt-JOHANNI 2026 am Weingut am Stein in Würzburg
„Genuss ist Leben!“ hieß das heurige Motto. Und so ist es!
Früher waren die Kolleginnen und Kollegen ja ein bisschen zurückhaltend, wenn es darum ging, Gastgeber für respekt-JOHANNI zu sein. Es bedeutet ja richtig viel Organisation und Zeit, speziell letzteres ist Mangelware bei der Winzerschaft. Seit ein paar Jahren sieht das allerdings etwas anders aus. Mittlerweile gibt es fast schon eine Warteliste. Drängeln ausdrücklich erlaubt.
Der Stettener Stein. Eine beeindruckende Steillage!
Am Samstagmorgen führte uns ein Bus hinaus zum rund zwanzig Kilometer entfernten Stettener Stein. Schon die Fahrt vorbei an den markanten Muschelkalkfelsen machte deutlich, weshalb diese Landschaft zu den faszinierendsten Weinregionen Deutschlands zählt.
Erster Halt war das Außenwirtschaftsgebäude des Weinguts. Dort liegt auch ein großes Regenwasserbecken, das bei entsprechendem Wasserstand zusätzlich vom Main gespeist werden kann. Ludwig gab hier eine erste Einführung in seine biodynamische Arbeitsweise, flankiert von einer kleinen Schafherde. Biodynamie heißt auch, Tiere in die Kreisläufe am Hof einzubeziehen. Georg Meißner, der die Knolls seit vielen Jahren beratend zur Seite steht, erläuterte die Arbeitsweise aus der Perspektive eines biodynamischen Beraters und Wissenschaftlers.
Weiter ging es mit den Unimogs. Weil die Sonne bereits erbarmungslos vom Himmel brannte, verwandelten bunte Regenschirme den kleinen Konvoi in ein lustig buntes Bild. Sie brauchten wir dringend auch draußen im Weinberg, der VDP.GROSSEN LAGE Stettener Stein.
Hier wächst einer der wichtigsten Botschafter des Weinguts am Stein: Silvaner. Je nach Parzelle, Boden, Exposition und Mikroklima zeigt er unterschiedliche Gesichter. Die Knolls sind nicht umsonst für diese Rebsorte berühmt. Ludwigs Handwerk und Know-how geben ihm den nötigen Rahmen.
Zum Grillplatz ging es den steilen Hang hinauf. Viele von uns mussten sich an den Spanndrähten festhalten, um voranzukommen. Spätestens dort wurde allen bewusst, was Weinbau in einer solchen Steillage bedeutet. Wer hier mit Kübeln, Präparatespritze oder Maschinen arbeitet, verdient allergrößten Respekt. Wirklich nachvollziehen können das wohl nur wenige. Ziemlich sicher aber die Tements in der Südsteiermark. Oder die Buschens an der Mosel.
Hochinteressant war anschließend die Vorführung von Marius Rau, Antonias Mann. Moderne Drohnentechnik erleichtert den Knolls das Arbeiten im Steilhang. Ob feinster Präparatenebel oder kräftiger Sprühregen aus Pflanzen- und Kräutertees – diese Technik eröffnet Möglichkeiten, die die körperlich extrem belastende Arbeit deutlich reduzieren und zugleich präziser sind als menschliche Tätigkeit. Biodynamie heißt auch, mit der Zeit zu gehen!
Zurück am Weingut
Nach einer kurzen Verschnaufpause im Hotel warteten am Nachmittag bereits Espresso, herrliche Eiscreme und natürlich jede Menge Wein in Form einer Tischpräsentation. Verkosten mit Respekt!
Jedes respekt-Weingut hatte fünf Weine mitgebracht und präsentierte sie den internationalen Gästen aus Gastronomie, Handel und Medien. Und natürlich einander auch! Rund um die Verkostungsstände wurde gefachsimpelt, diskutiert, gelacht und köstliches Sauerteigbrot genossen. Genau diese Mischung aus fachlichem Austausch und persönlicher Begegnung macht respekt-JOHANNI aus.
Wer tiefer eintauchen wollte, konnte eine der drei Masterclasses besuchen.
Prof. Dr. Christian Kellermann, Forscher am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und der University of Labour Frankfurt, nahm das Publikum in einem Realitätscheck mit auf eine Reise durch Mythos und Wirklichkeit der Künstlichen Intelligenz im Weinbau. Anhand konkreter Beispiele – von der Automatisierbarkeit winzerischer Kerntätigkeiten über KI-gestützte Sensorik bis zur klimaadaptiven Rebsortenentwicklung – wurde deutlich, dass KI weder die Allround-Lösung noch Bedrohung ist, sondern ein komplexes Werkzeug, dessen Möglichkeiten und Grenzen erst im Dialog zwischen menschlicher Erfahrung und maschinellem Lernen sichtbar und anwendbar werden.
Harald Scholl, Chefredakteur Deutschland des VINUM Weinmagazins, widmete sich in seiner Verkostung der Frage, wie biodynamischer Weinbau Herkunft, Textur und Profil im Glas sichtbar machen kann. Anhand ausgewählter Weine wurde deutlich, dass Präzision, innere Spannung und Größe heute nicht aus Schwere, sondern aus Form, Energie und Herkunftsausdruck entstehen.
Einen bewusst interdisziplinären Zugang wählte Hermann Mengler, langjähriger Weinbauberater der Regierung von Unterfranken und einer der profiliertesten Kenner fränkischer Wein- und Kulturlandschaften. In seinem Vortrag „Genuss ist Leben“ spannte er den Bogen weit über den Wein hinaus und zeigte eindrucksvoll, wie Genuss, Landschaft, Kulturgeschichte und gesellschaftliche Entwicklung miteinander verbunden sind. Ein Perspektivenwechsel.
In the heat of the night.
Am frühen Abend begann der gemütliche Teil des Tages. An verschiedenen Kochstationen sorgten Partner wie Imperial Nürnberg, Jamei Laibspeis, Zeit am Stein, Schmackofatz, Backöfele, die Brotbäckerei Düll und Pasta e Olio für ein großartiges kulinarisches Angebot – unter anderem mit Schweinebauch und Fenchelkraut, Pokebowl sowie Kaiserschmarrn mit Vanilleeis und Früchten.
Später loderte das traditionelle Johanni-Feuer. Großflaschen machten die Runde, Musik erfüllte den Hof, und da und dort wurde getanzt. Das Highlight: Sechs respekt-Winzer begannen spontan, um das Feuer zu tanzen, sichtlich ein Riesenspaß für sie selbst und ein begeistertes Publikum. Danke für diesen lustigen Moment, er wird uns in Erinnerung bleiben!
Und danke, liebe Sandra, lieber Ludwig, liebe Antonia, lieber Marius und lieber Vinzenz. Ihr habt uns ein Wochenende geschenkt, das noch lange nachklingen wird. See you next year in Württemberg, die ersten Ideen sind bereits in Überlegung. Wir halten euch auf dem Laufenden!




















































































